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Osteoporose vor und nach Lungentransplantation |
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Die Knochen erfüllen gleichzeitig mehrere Funktionen. Bekannt ist in erster Linie die Stützfunktion (1.) des Skeletts, welche eine physikalische Basis ist für die Atmung, die Fortbewegung und den Schutz innerer Organe. Durch ihren hohen Gehalt an Kalzium und anderen in ihrem verkalkten Bindegewebe vorhandenen Substanzen sind die Knochen das grösste Reservoir (2.) für Mineralstoffe; sie sind dadurch mitzuständig für die Konstanthaltung des Blutkalziums. Ausserdem findet in ihrem Innern (im Knochenmark, beim erwachsenen Menschen) die Blutbildung (3.) statt, sie sind also Ort der Hämatopoese. Knochen und Skelett erscheinen im Vergleich zu anderen Geweben wegen ihrer speziellen Zusammensetzung und harten Konsistenz als äusserst stabil, sind aber dennoch einem ständigen Umbau unterworfen, der durch lebenslänglich erneuerbare Zellen (Osteoklasten für den Abbau, Osteoblasten für den Wiederaufbau) bewerkstelligt wird. Der Knochenumbau dient allen 3 Funktionen, aber die Regulation extrazellulärer Ionen (und Raum für Knochenmark) hat Priorität; ein starker Abfall der Kalziumkonzentation im Blut wäre unmittelbar lebensbedrohlich. Die mit Abstand häufigste Knochenkrankheit, die Osteoporose, betrifft aber in erster Linie die Stützfunktion. Die Osteoporose ist definiert als eine Krankheit, die durch eine verminderte Knochenmasse und eine gestörte Mikroarchitektur des Knochengewebes mit der Folge erhöhter Skelettbrüchigkeit und Frakturneigung gekennzeichnet ist. Es kommt also bei Patientinnen und Patienten mit dieser Erkrankung auch ohne besonders starke Gewalteinwirkungen öfter zu Frakturen verschiedener Knochen, so der Wirbelkörper, der Rippen, der Vorderarm- und Schenkelhals-knochen, überhaupt fast aller Kochen; die für den Schutz des Gehirns wichtigen Schädelknochen sind fast die einzigen, die im Rahmen dieser Krankheit kaum betroffen sind. Die Folgen der Frakturen sind Schmerzen, Beeinträchtigung der normalen Beweglichkeit und Fortbewegung, oft mit Einschränkung der Lebensqualität und der Selbständigkeit. Die wichtigsten Risikofaktoren für eine Osteoporose sind Nach der Häufigkeit in der Bevölkerung geordnet, ist hohes Alter der wichtigste Risikofaktor, gefolgt von Geschlecht(shormonmangel) und (Unter-)Gewicht bzw. Gewichtsverlust. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob und wie weit die Abnahme der Skelettsubstanz und der Knochendichte mit zunehmendem Alter normal ist oder als krankhaft betrachtet werden muss; mehrere Funktionen wie jene der Nerven, Muskeln und Nieren nehmen ja auch mit zunehmendem Alter ab. Die Einschätzung, das Skelett bleibe für die erwartete Lebensdauer der meisten Menschen bis gegen das Lebensende genügend funktionstüchtig, mag heute allerdings für manche nicht mehr zutreffen. Vielleicht ein Viertel der heute mit uns lebenden Menschen werden im Verlauf ihres Lebens von einer Osteoporose betroffen; die Osteoporose ist also eine sehr häufige Krankheit. Es ist auffallend, dass schwere chronische Allgemeinerkrankungen, welche die Lebenserwartung einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen, oft auch ein erhöhtes Osteoporose-Risiko beinhalten. So besteht eine Beziehung zwischen Knochendichte und Lebenserwartung (Osteoporose und Allgemeinerkrankung), die in der Allgemeinbevölkerung statistisch gesehen ab 70 Jahren sehr deutlich wird, die aber auch für jüngere, schwerkranke Patienten gilt. Diese Beziehung ist wohl kaum in erster Linie Beweis dafür, dass die Osteoporose zum vorzeitigen Tod führt, sondern vielmehr Ausdruck der Tatsache, dass schwere Krankheiten lebenswichtiger Organe den ganzen Organismus in Mitleidenschaft ziehen (und z.B. zu einem Verlust an Skelettmuskel- und Knochenmasse führen) können. Dies ist natürlich speziell zu berücksichtigen bei der Prävention, und zwar nicht nur in der Altersmedizin, sondern ebenso bei jüngeren Patienten, die dank Fortschritten in der Medizin lebensrettend und lebensverlängernd therapiert werden können. Gemäss einer Untersuchung am Unispital Zürich haben 60 % der
Kandidatinnen und Kandidaten, die auf eine Lungentransplantation warten,
bereits vor der Transplantation eine Osteoporose. Die Osteoporose ist demnach
sehr häufig bei schwer lungenkranken Patienten, und sie betrifft etwa
zwei Drittel der CF Patienten, also oft auch junge Patienten. |
Im Kindesalter sind bei CF-Mädchen und -Knaben oft die Entwicklung
verzögert und das Wachstum beeinträchtigt. Das Wachstum scheint
auf dieselben Einflüsse besonders kritisch zu reagieren wie die
Knochen des Erwachsenen; die Beeinträchtigung der Lungenfunktion,
die Infektionen und die Mangel-/Unterernährung können Wachstum,
Entwicklung und Pubertät beeinträchtigen und das Auftreten
einer Osteoporose begünstigen. Sehr oft haben junge Erwachsene mit
CF eine verminderte Knochenmasse, weil sie während Wachstum und
Adoleszenz nicht eine normale Skelettmasse (die höchste Knochenmasse,
die sog. peak bone mass, wird in der 3. Lebensdekade erreicht) aufbauen
konnten. Dazu kommt, dass sie dann im Vergleich zu gesunden jungen Erwachsenen
Knochensubstanz beschleunigt verlieren (speziell während schweren
Infekten). CF Patienten sind manchmal klein, haben gehäuft Veränderungen
des knöchernen Thorax (oft eine Kyphose) und gehäuft Knochenfrakturen.
CF Patienten haben öfter einen Vitamin D-Mangel, manchmal einen
Geschlechtshormonmangel und werden häufig auch noch mit Medikamenten
behandelt, die sich ungünstig auf das Wachstum und die Knochen auswirken
können, so insbesondere die Glucocorticoide. Die letzteren sind
besonders bekannt und gefürchtet dafür, dass sie als Nebenwirkung
(u.a.) Osteoporose (mit)verursachen können. Sie haben zwar den grossen
Vorteil, dass sie Entzündungsaktivität eindämmen können;
sie können auch Appetit und Wohlbefinden positiv beeinflussen. Sie
schwächen aber bei Anwendung in höheren Dosen über längere
Zeit die Muskulatur und sie hemmen direkt die Funktion der Osteoblasten
(also den Knochenaufbau und den Wiederaufbau an jenen Stellen, wo Knochen
umgebaut wird), was besonders gravierend ist während des Wachstums,
bei Menschen mit wenig Geschlechtshormonen, bei Immobilisation u.a..
Die Glucocorticoide sind allerdings bis heute noch unentbehrliche Medikamente
geblieben, so zur Immunsuppression, zum Vermeiden einer Transplantatabstossung.
Andere Immunsuppressiva haben vielleicht weniger gravierende Nebenwirkungen
auf die Knochen als die Corticosteroide, aber die meisten von ihnen,
wie z.B. Cyclosporin oder Tacrolimus, wirken sich ebenfalls ungünstig
auf das Skelett aus. Die Praevention sowie die frühzeitige Entdeckung und Behandlung einer Osteoporose sind zwar wenig spektakulär, aber in Anbetracht der häufigen, meist erst später im Verlauf der Krankheit auftretenden Probleme nicht zu vernachlässigen. Glossar
Dr. C. Schmid, Universitätsspital Zürich Oktober 2003, geschrieben für Spucknapf Nr. 27, Jan. 04 |
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